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König Rudolf I. und der Aufstieg des Hauses Habsburg im Mittelalter

Ausschnitt aus dem Grabmal König Rudolfs von Habsburg (+ 1291) in der Vorkrypta des Domes. Foto: Domkapitel Speyer/Renate J. Deckers-Matzko

»Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer« richtete ihr viertes wissenschaftliches Symposium aus

Heftig diskutiert wurde unter anderem über die Originalität der Grabplatte Rudolf I. von Habsburg beim vierten wissenschaftlichen Symposium der »Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer«. Der Historikerkongress fand vom 11. bis 13. April 2018 im Rathaus der Stadt Speyer statt. Das Thema der Tagung lautere: König Rudolf I. und der Aufstieg des Hauses Habsburg im Mittelalter. Die wissenschaftliche Leitung der Tagung hatten die Heidelberger Historiker Prof. Dr. Bernd Schneidmüller und Prof. Dr. Stefan Weinfurter.

Am 1. Mai 1218 wurde Rudolf von Habsburg geboren. Nach seinem Tod am 15. Juli 1291 wurde er auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin in der Herrschergrablege des Domes zu Speyer bestattet. Damit begann im Speyerer Dom eine letzte Blütezeit herrscherlicher Sepulturen. Die 800. Wiederkehr des Geburtstags König Rudolfs nahm die »Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer« zum Anlass für eine wissenschaftliche Tagung über die Herrschaft des ersten Habsburgers im römisch-deutschen Reich und über den mittelalterlichen Aufstieg des Hauses Habsburg zur Weltgeltung. Nach drei großen internationalen Symposien 2006, 2011 und 2013 war dies der vierte Kongress, der die Geschichte des Speyerer Domes in seinen weiten historischen Bezügen behandelte.

 

Historikertagung der Stiftung über Rudolf I. von Habsburg. Foto: Klaus Venus

Die historische Bedeutung Rudolfs resultierte aus seiner – überraschenden – Wahl zum römisch-deutschen König 1273 in Frankfurt am Main. Seinen Söhnen bahnte Rudolf im Konsens mit den Wahlfürsten 1281/1282 den Aufstieg zu Herzögen von Österreich und Steiermark. Seither gehörten die Habsburger zu den Reichsfürsten, die ihre Schwerpunkte zunehmend in die neuen Herzogtümer im Südosten des Reichs verlagerten. Später stellten die Habsburger über mehrere Jahrhunderte die Könige und Kaiser im Heiligen Römischen Reich, regierten auf Grund kluger Heiratsverbindungen und Erbschaften in vielen Reichen Europas wie der ganzen Welt und prägten als Kaiser von Österreich-Ungarn (bis 1918) die Weltgeschichte bis an die Schwelle der Moderne mit. Noch heute gehört das Haus Habsburg zur Elite des europäischen Hochadels.

Die Tagung wollte diesen habsburgischen Aufbruch im 13. Jahrhundert und seine Verstetigungen im 14./15. Jahrhundert bis zum Kaisertum Maximilians I. (1486-1519) neu betrachten und beurteilen. Auch Maximilian I. verband die Idee des Heiligen Reichs und seiner Kaiser noch einmal mit dem Speyerer Dom, für den er ein einzigartiges Herrschermonument in Auftrag gab.

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Storytelling und Fake News im Mittelalter

Professor Dr. Bernd Schneidmüller im Speyerer Dom. Foto: Klaus Venus

Bernd Schneidmüller gibt Einblick in das Leben und Nachleben von Rudolf von Habsburg

„Rudolf von Habsburg. Geschichten vom Regieren im Reich und vom Sterben in Speyer.“ So lautete der vielversprechende Titel eines öffentlichen Vortrags, den Professor Dr. Bernd Schneidmüller von der Universität Heidelberg am Abend des 11. April im Dom zu Speyer hielt. Den Rahmen dazu gab das vierte wissenschaftliche Symposium der »Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer«. Anlass für das Symposium wie für den Abendvortrag ist der bevorstehende 800. Geburtstag von Rudolf von Habsburg am 1. Mai.

Der Einblick, den der Historiker Schneidmüller in das Leben und die Wirkungsgeschichte von König Rudolf von Habsburg gab, geriet keineswegs trocken akademisch sondern glich mehr einer der eindrücklichen literarischen Schilderungen, die er zitierte. Zudem stellte Schneidmüller klar, dass eine solche Betrachtung im Dom ideal verortet sei, da man sich quasi direkt über den sterblichen Überresten des Königs befände. 

Gleich zu Beginn ermutigte Bernd Schneidmüller seine Zuhörer, sich „von einstiger Lust am Erzählen übermannen zu lassen“. Und so schilderte er „Stories“ aus dem Leben eines „Aufsteigers“, die – und das war etwas völlig Neues – den König als Menschen zeigten. Wohl wies er darauf hin, dass diese Episoden, die er als „Facetien“ bezeichnete, zum Teil auch als „alternative Fakten“ zu gelten hätten. Gestrickt und platziert, um gezielt ein besonderes Bild des König zu formen. Sein Vortrag löste „Geschichte in Geschichten auf“ und rückte die mittelalterlichen Geschichten um Rudolf ins Zentrum: „die Anekdoten, die Schwänke, die Lobpreisungen, die Scheltworte.“ Damit verabschiedete sich Schneidmüller jedoch nicht von der strukturierten Betrachtung eines Historikers. Er hob vielmehr auf den Wert dieser Quellen ab. Ab dem 13. Jahrhundert schienen viele Geschichtsschreiber ohne Strukturen, ohne Fokussierungen auf die großen Dinge, ohne Richtungen auszukommen. Darin sei jedoch keine Zerfallsgeschichte zu sehen, sondern eine Befreiung aus dem „Korsett einer geschichtsschreibenden Leitkultur“. Die Dominikaner und Franziskaner berichteten natürlich religiös fundiert aber episodenhaft von den großen, aber eben auch den kleinen Geschehnissen dieser Zeit. So steht in einem Bericht der Kolmarer Dominikaner die Nachricht über den Schlachtensieg Rudolfs gegen König Ottokar von Böhmen neben vielen kleineren Episoden, etwa der eines Kolmarer Hirten, der von seinen eigenen Schweinen gefressen wurde. 

Diese kleinen Geschichten und Begebenheiten eigneten sich freilich auch auf das Beste, um mit „alternativen Fakten“ die Herrschaft Rudolfs und seiner Nachfahren zu etablieren. So wurde beispielsweise die Herkunft Rudolfs neu konstruiert. Gleichzeitig wurde seine bescheidene und kluge Handlungsweise zur Schau gestellt, die den König als Menschen zeigte. Hohe und niedrige Adelige sowie bürgerliche Eliten überzeugte Rudolf durch „persönliche Tapferkeit und Schlagfertigkeit“. 

Durch geschickte Regierungspolitik gelang Rudolf von Habsburg, was keinem seiner Vorgänger gelungen sei, nämlich die „schreckliche, kaiserlose Zeit“ zu beenden. Durch geschickte Heiratspolitik vermochte er zudem, seinen Nachkommen Macht und Einfluss zu sichern: Mit ihm begann der Aufstieg des Hauses Habsburg. In seinem Vortrag widmete sich Schneidmüller auch dem Menschen Rudolf von Habsburg und zeigte, wie die über ihn überlieferten Geschichten sowohl einen historischen Wandel, wie auch einen Wandel in der Geschichtsschreibung dokumentierten.

Friederike Walter

»Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer«

Kleine Pfaffengasse 21 (Historischer Judenhof)
67346 Speyer

Telefon: 06232 / 102-397 (Mo bis Do 9.00 - 12.00 Uhr)
Telefax: 06232 / 102-352

E-Mail: stiftung-kaiserdom@bistum-speyer.de
Internet: www.stiftung-kaiserdom.de

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